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SANTORIN (GRIECHENLAND)
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Kaldera von Santorin
Fotos von Santorin

Geschichte über Santorin

Vulkanreisen nach Griechenland

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z.Z. keine Karte

 Ausgrabungen bei Akrotiri Fischer bei der Arbeit Sonnenuntergang mit Blick auf die junge Vulkaninsel
Ein paar Impressionen von der Insel Santorin

Reportage Santorin: Zwischen Mythos und Geschichte?

Atlantis, die biblischen Plagen, der Untergang des minoischen Reichs

Es ist ein scheinbar ganz normaler Tag für die Küstenbewohner Nord-Kretas. Wir schreiben etwa das Jahr 1628 vor Christi Geburt, es ist später Nachmittag. Fischer sitzen an der Küste und flicken ihre Netze. Andere Menschen sitzen zusammen und diskutieren über die seltsamen Erscheinungen der vergangenen Wochen, an denen Asche und Bimssteinstücke bei Nordwind von einem seltsam verdunkelten Himmel gefallen sind. Eifrig unterbreitet jeder seine Hypothese, aber genau weiß keiner, was vor sich geht.

Plötzlich schrecken die Seevögel auf und steigen hoch in den Himmel. Die Menschen schauen suchend in alle Richtungen. Der schwach auflandige Wind hat ohne einen ersichtlichen Grund aufgehört zu wehen. Einige Sekunden lang herrscht Totenstille. Dann setzt der Wind wieder ein, aber seewärts, heftiger und immer heftiger, wie ein Sog. Fischerboote fangen an zu schaukeln und den Fischern ist, als würde sich das Meerwasser unter ihren Boot auflösen. Und so ist es. In wenigen Sekunden zieht sich das Meer zurück. Boote krachen und poltern auf den sandigen Meeresboden. Andere Fischerboote reißt das zurückströmende Meer wie tanzende Nußschalen weg von der Küste. Es ist wie eine Ebbe, die sich im Zeitraffer sekundenschnell abspielt.

Eine Minute vergeht, vielleicht zwei. Dann setzte der Wind wieder ein. Wind, der nun abermals landein-wärts weht und immer stärker wird, fast sturmartig. Die ersten Menschen beginnen instinktiv von der Küste wegzulaufen. Andere stehen wie angewurzelt und rühren sich bis zu ihrem Tod auch nicht mehr vom Fleck. Draußen auf dem Meer hebt sich der Horizont fast unmerklich, wie ein leicht geschwungener gigantischer Katzenbuckel. Dann geschieht alles in wenigen Sekunden. Mit ungeheurer Energie strömt das Meer auf die Nordküste Kretas zu. Turmhohe Wellen bäumen sich wie aus dem Nichts kurz vor der Küste auf und beginnen tosend zu brechen. Zuerst ergreifen sie die Fischerboote auf dem sandigen Meeresboden und schließlich die Menschen und Häuser an Land. Wie eine schäumende Klaue greift das Meer nach allem und wirbelte es durch die Luft oder verschlingt es einfach.

Was war geschehen? Geowissenschaftler kennen dieses Naturphänomen und nennen es "Tsunami". Der Begriff kommt aus dem Japanischen und bedeutet "große Woge im Hafen". So ein Tsunami kann sich durchaus mit mehreren hundert Stundenkilometern ausbreiten und auf Land treffen. Angeschwemmte Bimssteine deuteten für den griechischen Archäologen Prof. Spyridon Marinatos (1939) darauf hin, daß die mächtigsten Tsunamis im ägäischen Meer eine Wellenhöhe von 200 Metern gehabt haben sollen. Das ist nach neuen Erkenntnissen widerlegt, aber selbst eine Wellenhöhe von 50 Metern, wie es der japanische Wissenschaftler I. Yokojama modelliert hat, ist bereits unvorstellbar hoch.

Einen geologischen Beweis für die tatsächliche Höhe gibt es nicht. Aber was war die Ursache so eines Tsunami vor ca. 3630 Jahren, die die zu dieser Zeit blühende minoi-sche Kultur Kretas überrollte? Die Vulkaninsel Santorin (Thira oder Thera), etwa 100 km nördlich von Kreta gelegen, war zum Leben erwacht. Einer der in historischer Zeit stärksten Vulkanausbrüche hatte sich ereignet. Riesige Mengen Magma (über zehn Milliarden Kubikmeter) waren als Asche und Bimssteine ausgeschleudert worden. Dazu eine große Quantität an Gasen, wie zum Beispiel Kohlendioxid und Schwefeldioxid. Dadurch hatte sich die unter der Vulkaninsel gelegene Magmakammer mehr und mehr geleert. Schließlich drang Meerwasser in die Hohlräume und reagierte mit dem restlichen heißen Magma in Form von gewaltigen Explosionen. Der Vulkankomplex Santorin kollabierte, was neben begleitenden Erdbeben zu den zerstörerischen Flutwellen (Tsunamis) führte. Die sich von Santorin ringförmig ausbreitenden Tsunamis brauchten für die 100 Kilometer lange Reise bis Kreta 25 Minuten und bis Tel Aviv etwa 105 Minuten.

Von der 15 mal 16 Kilometer großen Vulkaninsel blieb schließlich nur noch der äußere Kraterrand stehen. In seiner Mitte hatte sich eine 7,5 mal 11 Kilometer weite Kaldera (Kessel) gebildet, in die Meerwasser geströmt war. Die Wiederbesiedlung der verwüsteten Insel Alt-Thera begann ca. 500 Jahre nach dem Ausbruch und der Zeit, in der Homer seine Ilias geschrieben hatte (Odysseus`große Überfahrt). Lange nach diesem Vulkanausbruch begannen sich Mythen um Santorin zu spinnen. Der griechische Philosoph Platon (427 bis 347 v. Chr.) beschrieb eine Passage in seiner Atlantis-Saga "Timaios (Timaeus)" übersetzt wie folgt: "Aber zu einer späteren Zeit ereigneten sich starke Erdbeben und Flutwellen, und es geschah an einem Tag und einer Nacht des Unglücks, als alle Krieger zusammen in der Erde verschwanden, und die Insel Atlantis in gleicher Weise in der Tiefe des Meers verschwand."

War Santorin also das untergegangene sagenumwogene Atlantis? Die Historiker Prof. Benett und Prof. Galanopoulos halten das für sehr gut möglich. Einen Nachweis zu erbringen, ist aber nach so langer Zeit nahezu aussichtslos. Ebenfalls Unklarheit besteht darüber, ob die minoische Kultur im südgriechischen Raum durch den Ausbruch von Santorin unterging. Einige Wissenschaftler vertreten die These, daß ein so starker Ausbruch, abgesehen von den direkten Zerstörungen durch Tsunamis und Ascheregen (auf Kreta örtlich über zehn cm), auch noch weitere Folgen hatte. Das östliche Mittelmeer von der Türkei bis ins Hinterland Ägyptens lag ihrer Ansicht nach möglicherweise wochenlang in dämmrigem Licht. Die Durchschnittstemperaturen seien wahrscheinlich gesunken und schwere Stürme aufgezogen. Giftige Gasschwaden könnten sich ausgebreitet und Schwefesäuretröpfchen abgeregnet sein. Dadurch könnte der Boden für Jahre unfruchtbar gewesen und Seuchen ausgebrochen sein. Das Vieh wäre verendet und Fischschwärme eventuell in entfernte Gewässer gezogen. Die Vertreter dieser These gehen davon aus, daß sich die Vulkankatastrophe in den ersten Jahren vernichtend auf jegliches Leben in dem betroffenen Raum ausgewirkt hat. Ein Szenario, wie es die biblischen Plagen im Alten Testament (Exodus) beschreiben: "... Und die Fische im Strom starben, und der Strom ward stinkend, daß die Ägypter nicht trinken konnten ... ; Und das währte sieben Tage lang... ; Und der Herr tat solches des Morgens, und es starb allerlei Vieh der Ägypter; ... ; Und sie nahmen Ruß aus dem Ofen ... und sprengten ihn gen Himmel ...; ...da ward eine tiefe Finsternis über ganz Ägyptenland drei Tage." Einige der beschriebenen Plagen spiegeln die wahrscheinlichen Folgen des Ausbruchs 1628 vor Christi verhältnismäßig genau wieder. Auch die Teilung des Meeres, das Moses durchschritt und das ägyptische Heer verschlang, steht möglicherweise in Zusammenhang mit dem Phänomen eines Tsunami. Prof. Benett und Prof. Galanopoulos halten das für durchaus möglich.

Moderne Methoden der Altersbestimmung bei archäologischen Ausgrabungen, wie zum Beispiel die C14-Methode (Radiokarbonbestimmung), geben heute genaueren Aufschluß. Demzufolge wurde die spätminoische Kultur Kretas ca. 50 Jahre nach der Eruption von Santorin weitgehend ausgelöscht, denn ab dieser Zeit läßt sich der Warenaustausch mit Ägypten nicht mehr nachweisen. Lediglich die Stadt Knossos auf Kreta wurde wieder aufgebaut und blieb bewohnt. Die griechische Historikerin Lena Papazoglou vom archäologischen Museum in Athen führt dazu aus: "Wir halten alle zehn Jahre ein interdisziplinäres Symposium unter anderem mit Archäologen, Philologen, Historikern und Vulkanologen (unter ihnen ist auch der deutsche Vulkanologe Prof. Jörg Keller vom Mineralogischen Institut der Universität Freiburg) ab. Dort tragen wir die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, um die Chronologie Santorins zu verbessern." Bei den drei bis heute abgehaltenen Symposien hätten sich viele Dinge klären lassen, fährt Lena Papazoglou fort. "Wir können sagen, daß die minoische Kultur auf Kreta zunächst 50 Jahre gegen die Einflüsse des Ausbruchs standhielt.

Die Vulkanologen auf unseren Symposien haben darauf hingewiesen, daß die Katastrophe einen stark negativen Einfluß auf die Fruchtbarkeit des Bodens und damit auf die Wirtschaftslage der Minoer auf Kreta hatte." Dem pflichte sie bei, erklärt die Historikerin und fügt hinzu, daß damit auch sicherlich eine politische Instabilität einhergegangen sei. Weiterhin könne man davon ausgehen, daß die minoische Kriegsflotte durch die Tsunamis zerstört worden sei, so Lena Papazoglou. "Das führte dazu, daß um 1600 vor Christi die mykenischen Griechen des Festlands die damalige kretische Hauptstadt Knossos angriffen und eroberten. Unterdrückung, Vertreibung und Abwanderung waren vermutlich die Folge. Ein Kulturwandel setzte ein und schließlich war die spätminoische Kultur zumindest aus archäologischer Sicht untergegangen. Eine neue Epoche brach an."

Noch heute bekommt man bei einem Besuch Santorins einen ausgezeichneten Eindruck von der Gewalt des Ausbruchs von 1628 vor Christi. Mit dem Fährschiff fährt man von Norden oder Westen, dort wo der Kraterrand unter die Meeresoberfläche eingesunken ist, in den imposanten Vulkankessel. Innerhalb dieses natürlichen Hafens ragen die durch verschiedene Minerale bunt gefärbten inneren Kraterwände bis zu 250 Meter fast senkrecht empor und setzen sich teilweise bis in 400 Meter Meerestiefe fort. An und auf der Flanke der Ostkraterwand kleben die weißgetünchten Häuser der Inselhauptstadt Thira wie Schwalbennester. Von dort oben blickt man in das tiefblaue Meer im Krater, in dessen Mitte sich durch viele Ausbrüche ein neuer Vulkankegel, beziehungsweise eine Vulkaninsel gebildet hat. Mit dem Auftauchen der Mikra-Kaimeni-Insel an der Meeresoberfläche 1570 nach unserer Zeitrechnung - also ca. 3200 Jahre nach der großen Eruption - beginnt eine lückenlose Beschreibung der jungvulkanischen Aktivität Santorins. Der letzte Ausbruch mit Explosionen und Lavaflüssen ließ im Januar 1950 den Liatsikas Lavadom entstehen.

Nahe des südlichen Kraterrands von Thira begann der griechische Archäologe Spyridon Marinatos 1967 die verschüttete Stadt Akrotiri freizulegen. Die Überreste dieser Stadt stammen aus der spätminoischen Epoche (späte Bronzezeit) vor der Zerstörung durch den Vulkanausbruch. Man nimmt an, daß einst mehrere zehntausend Menschen dort lebten. Wie in Pompeji ca. 1700 Jahre später wurde die Stadt unter drei Meter hoher Tephra (vulkanischen Lockerstoffen) begraben - geradezu eine perfekte Konservierung für die Nachwelt. Lena Papazoglou erklärt: "Sehr wahrscheinlich ist, daß die Bewohner Santorins die Insel mit Einsetzen der vulkanischen Tätigkeit und noch vor den großen Verwüstungen verlassen haben. Das schließen wir daraus, daß, anders als in Pompeji, bisher keine menschlichen Überreste gefunden wurden. Das haben auch die Vulkanologen bestätigt, die die Ausbruchsintensität und Abfolge aus den vulkanischen Ablagerungen interpretiert haben. Risse in den Gemäuern von Akrotiri zeigen, daß sich der Ausbruch mit heftigen Erdbeben angekündigt hat oder begleitet worden ist." Bis heute sind in Akrotiri mehrere Straßenzüge ausgegraben. Solide mehrgeschossige Steinhäuser bele-gen die architektonischen Leistungen vor über 3650 Jahren. Abwasserleitungen führen durch die Straßen und überall finden sich tönerne Gebrauchsgegenstände. Im archäologischen Museum auf Santorin und in Athen läßt sich die reiche und hochentwickelte Kultur dieser Stadt bewundern. Bunte, kunstvolle Fresken, Tonwaren und einige Edelmetallgegenstände sind dort ausgestellt.

Wenn man vom Kraterrand aus auf die neue Vulkanspitze inmitten des Kraters blickt, läßt einen die Vor-stellung erschaudern, welche Energie bei dem Vulkanausbruch (1628 vor Christi) frei wurde. Heute liegt, wie ein riesiger schwarzer Krake, das basaltische Vulkanzentrum als flache Insel 126 Meter über dem Meeresspiegel im Krater und mit jedem neuen Ausbruch werden sich seine "Fangarme" immer weiter ausstrecken.

Wie aber denken die Menschen über die potentielle Gefahr eines neuerlichen Ausbruchs? Der Fischer Nicos Argeropolos nimmt es mit griechischer Gelassenheit: "Ach was, die kleine Vulkanspitze wird uns vorerst nichts anhaben können, da bin ich sicher. Außerdem, würden Sie, selbst mit dem Risiko, das sich ein neuer großer Vulkanausbruch ereignen könnte, diesen paradiesischen Ort verlassen wollen?" Tatsäch-lich, diese Insel in der Ägäis ist ein ganz besonderer Ort, impressionistisch, mysthisch und für manchen sogar paradiesisch. Einer Legende zufolge rührt die Insel Santorin von einem Erdklumpen her, den Triton den Argonauten zum Geschenk machte. Ihr Name in der Sage ist "Kalliste", die "Sehr Schöne".

Quellen:

- Lena Papazoglou, Historikerin, Archäologisches Museum Athen (persönlich gesprochen)
- Prof. Jörg Keller, Mineralogisches Institut, Universität Freiburg (persönlich gesprochen)
- Peter Francis (1993), Volcanoes, a planetary perspective - Tom Simkin & Lee Siebert (1994), Volcanoes of the world, Smithsonian Institution
- D. A. Hardy (1990), Thera and the Aegean World (Volume 1-3), The Thera Foundation London
- Walter Weinmann, Die Vulkaninsel Santorin
- Christof Hug-Fleck (1988), Die ruhelose Erde
- Baedekers, Reiseführer (1989), Griechenland
- Spyridon Marinatos (1973), Kreta,Thera und das Mykenische Hellas
- Christos G. Doumas (1983), Thera, Pompeji of the ancient Aegean
- Die Bibel, nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers
- diverse Werke über Platon

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