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Vulkane ÄTHIOPIEN
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Erta Ale
Oben: Lavasee des Erta Ale
Erta Ale 2002 / 2009

Dallol

zum Land Äthiopien

Reportage über Äthiopien (1999)

Reisen nach Äthiopien

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Vulkane Ethiopiens

ERTA ALE

Lavasee des Erta Ale 2009(c)VEI Lavasee des Erta Ale 2009(c)VEI Lavasee des Erta Ale 2009(c)VEI

Die Situation der ativen Krater des Erta Ale 2009 im Langzeitvergleich zu 2002. Besonders die Tätigkeit des Nordkraters hat Veränderungen in der Kaldera gebracht.

erta ale 02 to the left: Part of Erta Ale caldera with the north and south pit (crater), based on GPS data (plot by L. Fritsch) from 2002.

to the right: The same part of Erta Ale caldera based on GPS data (plot)from February 2009. Courtesy of C. Weber.
erta ale 09

EA to the left: The active lava lake in November 2002 was about meters deep inside the south pit.

to the right: The lava lake of the south pit with a much higher level, February 2009. Courtesy of C. Weber.
Erta Ale lava lake 2009

Der erste Blick in den Krater war am 2 Nov. 2002 eine Überraschung. Nicht die etwas stärker zu scheinende Tätigkeit des Lavasees gegenüber älteren Schilderungen erstaunte, sondern die vermutlich kurze Zeit vor Nov. 2002 aufgefüllte Terrasse im Krater. Diese mit einer Fläche von ca. 50% den Krater ausfüllende Terrasse war im Frühjahr 2002 gut 70 Meter tief gelegen. Auf diese Terrasse gestürzt, lagen bis dahin Schuttfächer, die bis auf eine Höhe von rund 45 Meter unterhalb der Kraterkante reichten (also rund 35 m hoch). Diese Schuttfächer waren aber nun verschwunden, also das Niveau der Terrasse mit Lavaergüssen durch ein Ansteigen des Lavasees gestiegen. Ungefähr 40 Meter lag nun die jungfräuliche Terrasse ohne nennenswerten Schuttfächer unter dem Kraterrand. Der aktive See füllte die restlichen 50% des Krater aus und lag nun wiederum ca. 45 Meter tiefer als die Terrasse - insgesamt also 85 Meter unterhalb des Kraterrandes. Das entsprach ungefähr dem Stand der vorherigen Jahre. Dieser Umstand verkürzte den Abstiegsweg, dafür ist die Streck bis zum Lavasee erheblich weiter. Eine Probe der neu entstandenen Bedeckung der Terrasse (T) konnte entnommen werden.
map1 Figure 1 (left): A sketch map of the active crater at Erta Ale on 2 December 2002. The elliptical crater was WE 160 m (X) and NS 130 m. The lava lake (taking part 50% of the crater) from WE was approximately 100 m. Our descents (dotted line) were made at point (D) in the north. Lava fountaining up to 20 m high occured in different areas at the crater lake, but mainly in the west, south and center. Courtesy of C. Weber
The area (A) of the three collapses are indicated with a line of stipes. At a length of about 50 m along the crater wall and with an average of 10 m wide, around 40 m of the vertical crater wall collapsed in three sequences. The second and the third collapses were a little bigger than the first one. All together we estimate a volume of 20,000 cubic meter of rocks.
map2 Figure 2 (left): A sketch map of a cross-section of the active crater at Erta Ale on 2 December 2002 from east (E) to west (W). The altitude from the crater rim at the east (E) down to the terrace (T) was 45 m. In the north at our descent (D), indicated with the dotted line, about 40 m down to the terrace. In the west part the altitude from the crater rim (W) to the lava lake was 80 m in total (Y). Courtesy of C. Weber.
Der Zeitpunkt des Lavasee Anstiegs und die Neubedeckung der Terrasse ist uns nicht bekannt. Aufgrund der wenigen Steine die wir auf der Terrasse vorfanden, kann die Bedeckung noch nicht vor langer Zeit entstanden sein. Da die Fläche (Flächenspalten) allerdings auch abgekühlt war, mutmaßen wir mit unserer Erfahrung, dass sich dieser Vorgang gegen September ereignet haben muss.

Der nordwestliche Krater war stark fumarol tätig. Zwischen diesem NW Krater und dem aktiven Krater (pit) lagen weitere fumarole Stellen mit hoher Gaskonzentration. Mehrere spührbare vulkanische Erdbeben ereigneten sich während unseres Aufenthaltes. Besonders registriert wurden diese Beben in den frühen Abendstunden des 4. Dez. 2002. Folgend am 5. Dez. 12:40 Uhr und 13:12 Uhr mit jeweils zwei Ereignissen von 1-2 Sekunden Dauer, unterbrochen von jeweils ein paar Sekunden. Veränderungen des Lavasees wurden in diesem Zusammenhang nicht bemerkt.
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Mit Steinschlag ist stets zu rechnen, allerdings nicht unbeding damit, dass wie zum Beispiel am 6.12.02 in drei kurz aufeinander folgenden Kraterwandeinbrüchen ca. 20 000 Kubikmeter Fels von der Kraterwand in den Lavasee und stückweise auf die Terrasse stürzen. Die beiden Bildsequenzen, oberhalb Steinschlag Nr. 1 und folgend Steinschlag Nr. 2 sprechen für sich. Manfred Meyer hat diese beiden Bildsequenzen oben vom Kraterrand festgehalten.
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In der Sequenz 2 (Steinlag Nr. 2) deuten die kleinen weißen Pfeile auf die Helme von Marc und mir. Sieht allerdings brenzlicher aus, als es war. Manfred gratuliere ich für die Bildsequenzen des Jahres 2002, die sicherlich folgende Expeditionen warnen werden.

DALLOL

Der Vulkan Dallol ist fast ausschließlich aus der Luft besucht worden. Generell ist ein Überflug der Danakil hoch interessant. Am Lake Assale wird Salz abgebaut und ins Hochland transportiert.
Zwischenstop Krater aus der Luft
Abbau
Dallol ist aber auch mit Fahrzeugen und einem ordentlichen Marsch in der glühendheißen Salzwüste zu erreichen.
Asale1 Dallol1
Dallol2

ÄTHIOPIEN

Wie die Situation in dieser Region und in Äthiopien für zukünftige Expeditionen wird, ist heute schwer zu beurteilen. Derzeit sieht es so aus, dass das Land viele innenpolitische "Pulverfässer" hat. Das sind die vielen Völker mit Unabhängigkeitsbestrebungen (u.a. die Afar), konfliktreiche angrenzende Länder wei Eritrea, Sudan und Somalia, die ständigen Dürren (auch derzeit) und der Einfluss verfehlter Außenpolitik der westlichen Welt (Abbaukonzessionen, "Entwicklungshilfe", Waffenleiferungen).
Das Erreichen der besonderen und äußerst faszinierenden Vulkane der Danakil wird vermutlich in der näheren Zukunft weiterhin eine "Expedition" bedeuten. Was VEI diesbezüglich vor hat, sehen Sie unter VEI Expedition (Äthiopien).

Äthiopien: Wiege der Menschheit (c. Weber, Nov. 1999)


Dauerkonflikte Hunger, Krieg und "Größe"?

Regenverhangen sind die Berge, die Addis Abeba einsäumen. Und das sind sie oft. Importierte Eukalyptusbäume wachsen hier - Bäume, die sehr viel Wasser brauchen. Von ausgedörrten und staubverkrusteten Landschaften, mit denen man Äthiopien im allgemeinen verbindet, weit und breit keine Spur. Aber das Land ist groß.

Mit 1,1 Mio. Quadratkilometern ist es dreimal so groß wie Deutschland und das zehnt größte Land auf dem afrikanischen Kontinent. In der relativ modernen und durchaus international angehauchten äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba brechen wir mit dem Bus auf nach Norden, hinein in das zerklüftete und landschaftlich spektakuläre zentrale Bergland, dessen gebräuchliche Bezeichnung früher Abessinien war.

Auf der Fahrt durch diese regenreiche Region sind die Bilder von hungernden Menschen in Äthiopien zunächst nicht zu verstehen. Hier könnten genug Nahrungsmittel angebaut werden, um mehr als nur die eigene Bevölkerung zu ernähren. Trotzdem plagen immer wieder große Hungersnöte das Land, wie zuletzt im Jahr 1984.

Einer der Entwicklungshelfer, die überall im Land anzutreffen sind, fasst das Dilemma zusammen: "In den von Dürren bedrohten Gegenden leben zu viele Menschen mit dem in Afrika üblichen Bevölkerungszuwachs, die sich schon aus ethnischen Gründen nicht einfach in fruchtbare Gebiete umsiedeln lassen würden." Ein weiteres Übel sei die mangelnde Ausbildung der äthiopischen Bauern, deren Nutzfläche viel zu kleine Erträge einbringe.

An erster Stelle stehe allerdings das Problem der Nahrungsmittelverteilung in einem Land, das nur aus Hochgebirgen, Plateaus, Canyons und lebensfeindlichen Wüsten bestehe. "Dort eine Infrastruktur zu errichten ist nicht nur schwierig, sondern auch teuer, und da bewaffnete Konflikte fast alle Haushaltsmittel verschlingen, vorerst ein afrikanischer Traum."

Tatsache ist, dass wie in einem nicht endenwollenden Ritual seit der Entstehung von Unabhängigkeitsbewegungen Anfang der 60er Jahre die äthiopischen Streitkräfte gegen Ende der Regenzeit an der nur auf dem Papier existierenden Grenze zum nordöstlich gelegen Eritrea zusammengezogen werden. Hauptgrund für diesen international kaum wahrgenommenen Konflikt, der 1998 neu aufkeimte und der sich als Stachel in die Pfote des abessinischen Löwen (Äthiopiens Wappentier) bohrt, ist Diplomaten zufolge der Verlust der Landanbindung Äthiopiens an das Rote Meer.

Die an das Meer grenzende vormals äthiopische Provinz Eritrea wurde 1993 nach dem Sturz des Mengistu Militärregimes, das seinerseits 1974 Kaiser Haile Selassie gestürzt hatte, durch internationale Verhandlungen ein souveräner Staat. Seine Fläche beträgt etwa ein Zehntel der Fläche Äthiopiens, und den circa 250.000 Einwohnern stehen rund 60 Millionen Äthiopier gegenüber.

Doch trotz seiner demographischen Überlegenheit wird es Äthiopien Beobachtern zufolge schwer fallen, den Krieg um das von beiden Ländern beanspruchte Territorium - größtenteils öde Wüste und bis auf die Seehafen strategisch ohne Bedeutung - zu gewinnen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen in dieser Region lassen sich kaum mit militärischen Mitteln bekämpfen.

Auf der Fahrt nach Norden und vielen Stunden auf holperigen und aufgeweichten Schlammpisten ist die Quelle des Blauen Nils im amharischen Hochland erreicht, das von kriegerischen Auseinandersetzungen bisher weitgehend verschont war. Kurz nach dem Entspringen im Tana See stürzt der Nil über eine 45 m hohe Kaskade in eine Schlucht und gräbt sich von dort an tief in das vulkanische Gestein des Hochlandes bis zu seinem Grenzübertritt in den westlich gelegenen Sudan.

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Bilder von R-L

Vor rund 5500 Jahren sollen erste ägyptische Expeditionen in dieses wild zerklüftete Land vorgedrungen sein, und der Legende nach gründete 1500 Jahre später der Vater der Königin von Saba das äthiopische Reich. Die Stadt Axum im Norden des Landes war das Zentrum dieses Reichs, das ab 451 n.Chr. zum Christentum bekehrt wurde. Noch heute sind die Amharen tief gläubige orthodoxe Katholiken mit einem reichen kulturellen Erbe.

Im Schneckentempo quälen sich die Überlandbusse auf kurvenreichen und durchlöcherten Straßen von der Quelle des Blauen Nils bis in die 2630 Meter hoch gelegene Kleinstadt Lalibela. Immer wieder halten die Busse um neue Fahrgäste aufzunehmen. Gleichzeitig bieten Bauern und Tagelöhner allerlei Produkte des täglichen Bedarfs zum Verkauf an. Wer will, kann in einfachsten Straßenrestaurants das traditionelle Essen Injera probieren - ein säuerlich schmeckender Fladen aus Blütensamenmehl mit verschiedenen Beilagen.

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Bilder von R-L

Die kleinen Siedlungen unterwegs haben für den westlichen Betrachter mittelalterlichen Charakter. Es gibt oftmals keine Elektrizität, kein Trinkwassersystem und nur eine mangelnde Gesundheitsversorgung. In Äthiopien herrscht Schulpflicht, jedoch bestehen Schulen auf dem Land meistens aus erbärmlichen Hütten. In abgelegeneren Regionen entsteht unweigerlich der Eindruck, dass das Leben vor Jahrhunderten nicht sehr viel anders ausgesehen haben kann. Lediglich die Tatsache, dass selbst im hintersten Winkel Äthiopiens Coca Cola zu bekommen ist - sie wird notfalls wie Medikamente kostspielig eingeflogen und ist für die meisten Menschen unerschwinglich - zeugt vom zwanzigsten Jahrhundert.

Die Geschichte der Stadt Lalibela beginnt mit König Lalibela, der um 1200 n.Chr. in nur 24 Jahren zwölf monolithische Kirchen aus dem Fels hauen ließ. Diese einzigartige architektonische Hinterlassenschaft war vor dem Wiederausbruch des Krieges 1998 Anziehungspunkt für viele Touristen. Derzeit freut sich jeder einheimische Führer über einen der wenigen Reisenden, der sich dorthin verirrt.

Touristisch ähnlich verwaist ist die Stadt Gondar, die von Lalibela in weiteren zwanzig Stunden Busschaukelei mit Hühnern und Gepäck zwischen den engen Sitzbanken zu erreichen ist. Im Jahr 1634 wurde Gondar Residenzstadt des Kaisers Fasiladas, dessen Festungsanlagen, in denen es unter anderem eine Bibliothek und ein Observatorium gab, noch heute gut erhalten sind.

Nördlich von Gondar liegt die historisch bedeutsame Stadt Axum. Die salomonische Dynastie soll mit der Geburt Menelik des Ersten als Nachkomme der Königin von Saba und König Salomon um 1000 v.Chr. dort gegründet worden sein. Durch die Nahe zur eritreischen Grenze ist Axum mit seinen beeindruckenden Ruinenanlagen jedoch auch für Individualreisende derzeit nicht immer zu erreichen.

Erst wenn das Land zur Ruhe kommt, könnte sich wie Mitte der Neunziger Jahre wieder ein kleiner wirtschaftlicher Aufschwung einstellen. Damit würde sich auch der Tourismus nach Äthiopien wieder beleben, denn dieses vielseitige und spannende Land ist zweifelsfrei einen Besuch wert. Doch ohne internationale Diplomatie und Wahrnehmung einem der größten Kriege auf der Erde derzeit, hat die Region wohl kaum eine Chance, politische Stabilität zu erlangen.

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Bilder von R-L

ENDE des Berichts (ca. 6.780 Zeichen inkl. Leerzeichen)

Von Christoph Weber, freier Reisejournalist und Expeditionsveranstalter zu aktiven Vulkanen weltweit. Die geologische Besonderheit des afrikanischen Grabenbruchs führt c. Weber immer wieder nach Ostafrika.

Quellen:
- dtv-Atlas zur Weltgeschichte
- Goldstadt Reiseführer Äthiopien (1999); Rainer Waterkamp (Reisejournalist)
- Deutsche Botschaft Addis Abeba
- Äthiopische Fremdenverkehrsämter und Institutionen
- Entwicklungshelfer der GTZ
- Äthiopische Tageszeitungen: The Sun; Addis Tribune

VEI-Trekking nach Ethiopien: "Erta Ale Lavasee und Dallol" Liste der VEI Expedition nach Ethiopien 2002 / 2009

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